Filialkirche Kanzianiberg

Die idyllisch gelegene Kirche am Kanzianiberg befindet sich hoch über dem Faakersee, in unmittelbarer Nähe der über die Grenzen Kärntens hinaus bekannten Burgruine Finkenstein. Das Gotteshaus ist eine von fünf Filialkirchen der Pfarre St. Stefan-Finkenstein.

Vor 700 Jahren, am 4. November 1301 wird diese Kirche erstmals erwähnt, - eine reine Zufallserwähnung - wie alt die Kirche am Kanzianiberg wirklich ist, wird damit nicht gesagt. Weit, sehr weit reicht die Geschichte dieses Ortes zurück in die Urzeit unserer Heimat, bis in die jüngere Steinzeit. Funde von diesem Ort sind in den Museen Villach und Klagenfurt zu besichtigen: unter anderem ein rohmarmorner Reliquienschrein mit einer Elfenbeinschatulle.

Die Kirche am Kanzianiberg war die Eigenkirche der Finkensteiner, eine Art Pfarrkirche. Diese Stellung verlor sie um 1335 mit dem Aussterben der Finkensteiner und der fast gleichzeitigen Neuerrichtung der Pfarre St. Stefan/Finkenstein.

Das heutige Gotteshaus ist ein Produkt vieler Epochen. 1478 beim dritten Türkeneinfall wurde sie zerstört oder schwer beschädigt und nach ihrer Wiederherstellung am 13. 9. 1486 von Bischof Pietro aus Caorle im Auftrag des Patriarchen von Aquileia neu geweiht. Eine Tafel am Turm berichtet, dass der Turm 1586, also rund hundert Jahre nach der Neuweihe der Kirche vollendet wurde und 1751 gab der barocke Zwiebelhelm dem Turm seine endgültiges Aussehen.

In diesen beiden westlichen Strebepfeilern wurden römische Reliefs eingearbeitet, sie zeigen einen Diener und einen Schreiber. Neben dem Eingangstor steht nördlich ein kleiner Opfertisch und dahinter ein lebensgroßes Kreuz, südlich des Tores befindet sich an der Kirchenwand ein schon stark verblasstes Fresko der Kirchenpatrone. Der Innenraum ist ein durchgehender gotischer Raum und mündet in drei Seiten eines Achteckes, lediglich die beiden zwischen 1700 und 1730 eingebauten Seitenaltäre stören den schönen spätgotischen Raumeindruck. Diese Seitenaltäre sind durch zahlreiche Diebstähle vollkommen entstellt.

Am rechten Seitenaltar ist noch das Bild der hl. Luzia, links ein Aufsatzbild, die Kreuzigung darstellend, zu sehen.

Der Hochaltar, datiert mit 1665, zeigt im Hauptbild die drei Kirchenpatrone, den hl. Kanzian, den hl. Kanzianus und die hl. Kanzianilla und ihr Martyrium. Im Aufsatzbild ist eine Marienkrönung zu sehen und neben dem Hauptbild stehen links und rechts die hl. Diakone Stephanus und Laurentius. Die Kanzel dient heute als Volksaltar und ist eine sehr schöne Holzeinlegearbeit aus dem Jahre 1614. Die Fresken an der Nordwand zeigen den Zug und die Anbetung der Könige, kulturhistorisch besonders interessant der Dudelsackpfeifer an der Krippe. Manche glauben in den Fresken ein Werk des Spittaler Malers Wenzel Aichler zu sehen, auch die Fresken sind datiert mit der Jahreszahl 1565. Das Fresko mit dem bethlehemischen Kindermord an der Südwand kann man in die Mitte des 17. Jahrhunderts festlegen.

Unter dieser Kirche bestand lange Zeit noch eine kleinere. 1787 wurden die beiden Kanzianibergkirchen aufgehoben, 33 Jahre diente die größere als Viehunterstand, bis 1820 der Černikelebauer aus Susalitsch die Kirche kaufte und sie mit dem damaligen Kaplan wieder für den Gottesdienst herstellte. Die zweite, tiefer gelegene Kirche, die Maria-Magdalena-Kirche, dient heute als Wohnhaus.

Der Kreuzweg wurde 1780 in der heutigen Form erbaut, aber schon vorher gab es holzgeschnitzte, auf kleinen Holzsäulen stehende, Kreuzwegstationen. 1887 wurde die Kreuzigungskapelle gebaut, nachdem die freistehende Kreuzigungsgruppe fast jeden Winter von Schnee und Sturm umgeworfen wurde.

Jeweils am 1. Mai zieht die Pfarre St. Stefan-Finkenstein mit ihrer gelobten Prozession auf den Berg und auch die Zehn-Kirchen-Wanderer besuchen die Kirche, um hier den Gottesdienst zu feiern. Auch der traditionelle Dekanatskreuzweg wird alle zwei Jahre zur Kirche am Kanzianiberg geführt.

Das Kirchweihfest im Oktober ist ein Höhepunkt des Jahres für den ganzen Ort.

Kirche einst

Kirche von aussen

Kirche von innen