Zur Geschichte der St. Stefaner Orgel

Ein Blick in die Chronik verrät uns: Pfarrer Georg Juri Jerman „hatte im Dezember 1892 die alte Orgel der abgerissenen alten Pfarrkirche zu St. Nikolaus bei Villach“ angekauft. „Diese Orgel jedoch war für unsere Pfarrkirche (St. Stefan) um 2 Meter zu hoch.“ Da die Umbauarbeiten weit mehr kosten würden „entschloss sich die Kirchenvorstehung die St. Nicolaer Orgel der Pfarrkirche zu Latschach“ mit einem Gewinn von 60 Gulden weiterzuverkaufen.

Unsere Kirche ist eine kleine Kirche, und unsere Orgel ist eine relativ kleine Orgel die jedoch den Kirchenraum mit ihren fünf Registern bestmöglich ausfüllt. Aus der Chronik ist ersichtlich, dass es bereits einen Choraufbau gegeben haben dürfte, aber der Platz auf dem Chor war sehr beschränkt. So schreibt Herr Pfarrer Jermann: „Das Kirchengewölbe abzutragen und einen höheren Bau des Chores und Kirche auszuführen, obgleich es sehr wünschenswert wäre, schien es mir der schwierigen Geldverhältnisse wegen nicht ratsam.“ Wenn man heute einen Blick vom Altarraum aus in Richtung Chor wirft, und ein Blick rund um die Orgel kann man dies nur bestätigen. Man entschloss sich also damals eine neue Orgel zu bauen, die optimal auf die Verhältnisse abgestimmt werden konnte. Mit dem Bau wurden die Gebrüder Ignacij und Ivan Zupan, die seit 1888 eine Werkstatt in Kamna Gorica (=Steinbüchel), in der Oberkrain betrieben, beauftragt.

Als Kirchenmänner mit besonderem Verdienst sind in der Chronik die Pfarrmänner: Matevž Kofler, Janes Oman, Janez Mikl, Karol Mikl und Janez Bernz erwähnt, die „selber nach Kamnogorico gegangen sind und die Orgel dort bestellt haben“. Sie wurde dort bei den Gebrüdern Zupan produziert und in der Woche nach dem 2.April 1895 in der Pfarrkirche St Stefan vom Meister selbst aufgestellt.

Am Weißen Sonntag – belo nedeljo - wurde die Orgel am 21. April von Hochwürden Jakob Knaflič nach mit Festpredigt und festlicher Tafel eingeweiht.

Der Raum für die Orgel ist optimal genutzt, sie ist qualitativ ausgezeichnet ausgeführt und sie wird 2015 120 Jahre alt.

Wie wurde die Orgel damals finanziert:

Die Gesamtkosten beliefen sich auf 700 Gulden und man hoffte den Großteil durch Spenden finanzieren zu können. Die Orgel aus St. Nikolai wurde um 200 fl (Gulden) angekauft und um 260 fl weiterverkauft. Da nicht der ganze Betrag mit Spenden aufgebracht werden konnte wurden 100 fl von der St. Kanziani Kirche und 160 fl von der Latschacher Posojilnica Bank geliehen. Der Pfarrer gab 115 fl aus eigener Tasche. Die Transportkosten beliefen sich auf weitere 30 fl. (1892 wurde Kronenwährung eingeführt, die Angaben sind jedoch noch in Gulden)

Zur Notwendigkeit der Renovierung

Orgeln haben bei entsprechender Pflege eine Lebensdauer von mehreren hundert (!!) Jahren und verweisen deshalb auch auf vergangene und kommende Generationen, die durch sie Gott loben können.

Besonders interessant ist der fast prophetische letzte Satz der Chronik: „Der Herr Senn aus Villach und Gailer aus St. Niklas an der Drau haben die Orgel als so außergewöhnlich erkannt dass sie der Meinung sind, dass die Orgel auch in hundert Jahren nicht repariert werden müße“ Wie wahr! Mittlerweile sind fast 120 Jahre vergangen und unsere Orgel benötigt einige Ersatzteile und eine gründliche Reinigung. Man könnte jedoch nicht behaupten dass die „kaputt!“ wäre. Im Gegenteil, sie ist sogar sehr gut erhalten.

Auch ein Auto bracht, um gut zu funktionieren, ein Service. Verschließteile müssen ersetzt werden und es braucht immer wieder eine kleine Reparatur oder z.B. einen Ölwechsel. Autofahrer wissen, dass so ein Auto, um gut zu funktionieren, mehrere hundert Euro im Jahr braucht. Und dann ist da auch noch der Wertverlust! Nach 10 Jahren ist vom neuen Auto nicht mehr viel übrig.

Bei unserer Orgel ist das anders. Ihr Wertverlust ist gering. Aber sie bräuchte von Zeit zu Zeit mehr Service. Die Orgel wurde seit ihrer Erbauung noch nie renoviert. Nach mündlichen Erzählungen lässt sich nur eine einziges "kleines Service" ausmachen, vor einigen Jahrzehnten, da wurde sie gereinigt und gestimmt, Ersatzteile waren damals nicht notwendig. Man kann sich vorstellen, dass nach 119 Jahren ein "größeres Service" vor allem in Form einer gründlichen Reinigung überfällig ist. Wir können davon ausgehen, dass unsere Orgel danach wieder viele Jahrzehnte, ja voraussichtlich ein weiteres Jahrhundert "brav" seinen Dienst tun wird. (Würde man übrigens die Kosten der Renovierung auf die nächsten 100 Jahre umlegen, dann wären das im Jahr um die € 250,--)

Warum haben wir uns dafür entschieden die Orgel zu renovieren und keine neue Orgel zu kaufen oder auch eine elektrische Orgel einzubauen?

Es gab Stimmen in unserer Pfarre die für eine elektrische Orgel votierten. Dafür spräche z. B. dass es um einige Tausend Euro günstiger wäre, und sie weit mehr Funktionen - und somit eine größere musikalische Bandbreite - hätte und nicht gestimmt werden müsste.

Der Hauptgrund, uns für die Renovierung der „alten“ Orgel zu entschieden lag darin, dass diese Orgel ja nicht kaputt, im Gegenteil voll funktionsfähig ist und genau auf den Kirchenraum in St. Stefan abgestimmt ist, (ein Weiterverkauf an eine andere Pfarre also immer nur eine 90% Lösung sein kann) und dass unsere Orgel natürlich ein Kulturgut ist, das schützenswert ist.

Auch wenn sie weniger zu bieten hat, als eine neue moderne elektrische Orgel, so ist sie auch nicht der Mode unterworfen. Elektrische Orgeln haben mehr Spielmöglichkeiten, aber - so wie bei den modernen Computern - muss sich jemand gut auskennen und auch muss sie technisch (z.B. mit Updates) auf dem neuesten Stand gehalten werden. Die Technik entwickelt sich gerade in diesem Bereich rasant, und wir wissen nicht was in einigen Jahrzehnten sein wird. Als Beispiel lassen sich z.B. die Hammond Orgeln der 70-ger Jahre nennen, die zwar mittlerweile einen Kultstatus haben, jedoch für viele Ohren veraltet klingen. Auch ist das eher feuchtkalte Klima in unserer Kirche immer ein Risiko für technische Geräte, da die Gefahr der Korrosion besteht.

Ein Argument wäre auch der Platzgewinn auf dem Chor gewesen, es hat sich aber herausgestellt das die Lautsprecher sinnvollerweise in das Gehäuse eingebaut werden würden und sich somit am Platz nichts ändern würde.

Unsere alte Orgel lässt sich noch mechanisch „treten“ und kann (notfalls) auch ohne Strom gespielt werden.

JA, und dann ist da noch das Argument einiger Musiker, die meinen, dass man mit einem mechanischen Instrument besser in Kommunikation treten kann.

Die Renovierung unserer "alten" Orgel wird um ca. ein Drittel teurer, als der Einbau einer neuen elektrischen Orgel kosten würde.

Was muß gemacht werden?

Wie vielleicht einigen unserer Kirchenbesucher aufgefallen ist, gab es manchmal bei Akkorden fehlende Töne, oder es gab laute Nebengeräusche, wie z.B. ein Rattern und Klappern. Manchmal konnte auch ein Register nicht verwendet werden, da es nicht schloss und einen Dauerton verursacht hätte. Dann klang ein zartes und zögerliches Gloria durch den Kirchenraum. Ja, und manchmal gab es auch das Gerücht, dass unsere Organistin am Vortag zu viel getrunken hätte. Doch es lag weder an der Organistin noch sollte die Begleitmusik leise und säuselnd klingen … unserer Orgel war manchmal einfach der Atem ausgegangen.

Eine gründliche Reinigung

Während des letzten Jahrhunderts hat sich nicht nur Staub in der Mechanik und den Pfeifen der Orgel verfangen sondern auch allerlei Kleintier, Insekten und Holzwürmer. Der Schmutz und die toten Insekten verkleben die Pfeifen und verändern den Ton, die Holzwürmer zerstören das Gehäuse. Die Orgel wird nun in ihre Einzelteile zerlegt, gründlich gereinigt, und das Holz wird eingelassen. Dieses wird der aufwändigste, und somit auch der teuerste Teil der Renovierung.

Die Trakturstäbe werden ersetzt

Die laut klappernden Geräusche die manchmal von der Empore zu hören sind, sind nicht von Stepptänzern oder Kastagnetten sondern die Stäbe der Traktur hängen durch und schlagen aufeinander. Die Traktur ist ein Teil der Orgelmechanik, besteht aus dünnen metallischen Stäben und sorgt für die Übersetzung der angeschlagenen Tasten zu den Orgelpfeifen.

Die Pfeifen werden ersetzt

Da die Prospektpfeifen aus Blech sind, ist davon auszugehen dass die vermutlich einstmals aus Zink gemachten Pfeifen – wie so vieles - im Zweiten Weltkrieg durch Blech ausgetauscht wurden. Ein „Rücktausch“ in Zinkpfeifen soll den ursprünglichen Klang wiederherstellen und für mehr Klangfarbe und Feinheit sorgen.

Sonstiges

Des Weiteren wird das Ventil ersetzt, um einen optimaleren Luftdruck im Gebläse zu erreichen, der brüchige Motorschlauch wird ersetzt, abgedichtet und im Zuge dessen der Motor nach hinten verlegt und besser isoliert. Undichte Stellen am Blasebalg werden bei Bedarf neu abgedichtet.

Wer renoviert?

Wir haben uns für den Orgelbauer Simon Kolar aus Dramlje in Slowenien entschieden, da er preislich der günstigste war und uns von mehreren Seiten als sehr kompetent empfohlen wurde. Er hat schon mehrere Zupan-Orgeln renoviert, wie z. B. in Griže, Medana und Biljana.

Die Kosten

Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf € 24.000,-- zuzüglich Steuer. Davon werden 14.500,-- für das Zerlegen und Reinigen und die Erneuerung der Trakturstäbe veranschlagt. Die neuen Prospektpfeifen kosten 4.500,--.

Da die Renovierung zur Gänze aus Spenden finanziert werden muss sind wir für jegliche finanzielle Unterstützung sehr dankbar.

Sie können ihren Beitrag auf folgendes Konto überweisen:

Konto der Pfarre St. Stefan-Finkenstein:

IBAN: AT69 3938 3000 0000 4994

BIC: RZKTAT2K383

Verwendungszweck: „Orgel“

Bei größeren Spenden ab € 1.000,-- erhalten sie eine unserer alten Orgelpfeifen zur Erinnerung!

Danke für Ihre Spende!

Hvala za vaše prispevke!

Danke an Wolfang Schnabl für die historische Recherche und an Brigitte Schmaus für die musikkundlichen Informationen!